Einordnung zur Stichwahl, Recherche 14.09.2026: Kalisch nennt höhere Wohnraumförderung und zusätzliches Planungsrecht; Meyer Konzeptvergaben und die systematische Ansprache von Eigentümern. Welche bezahlbaren Wohnungen entstehen tatsächlich und bis wann?
Die Stadt steuert den Wohnungsbau über drei Hebel: eine Quote von 30 Prozent mietpreisgebundener Wohnungen in städtebaulichen Verträgen, die städtische Wohnungsbaugesellschaft LüWoBau und eine eigene Wohnraumförderung von 200.000 Euro jährlich. Die LüWoBau hat in zehn Jahren 307 belegungsgebundene Wohnungen geschaffen.
Das einzige größere Areal, bei dem die Stadt die Vergabe direkt steuert, ist das Baugebiet Am Wienebütteler Weg: elf Hektar, 21 Grundstücke, Bodenrichtwert 470 Euro je Quadratmeter nach Ratsbeschluss vom 11.12.2025. Weitere Projekte laufen über Investoren, etwa Rettmer Nord, für das die öffentlich genannten Größenordnungen zwischen rund 120 und 190 Wohnungen schwanken.
Zur Größenordnung des Bedarfs kursieren vor allem Kampagnenzahlen: Claudia Kalisch nennt rund 3.500 zusätzlich benötigte Wohnungen bis 2040 und einen Anstieg der durchschnittlichen Nettokaltmiete von 8,95 Euro je Quadratmeter im September 2023 auf 9,56 Euro im September 2025. Beides ist nicht amtlich bestätigt; maßgeblich wären der qualifizierte Mietspiegel und die Statistik des Landes. Daneben ist von mehr als 2.000 Wohneinheiten die Rede, für die bereits Planungsrecht besteht oder vorbereitet wird.
Dem steht eine Gegenbewegung gegenüber, die nicht auf Neubau, sondern auf Leerstand zielt. Ein verpflichtendes Leerstandskataster wurde bereits 2023 vom Rat beschlossen und nach zwei Jahren nicht umgesetzt; der bestehende Leerstandsmelder ist rein freiwillig. Die Linke sammelt seit dem 18.04.2026 Unterschriften für einen Einwohnerantrag, der ein Kataster mit Meldepflicht durchsetzen soll.
Eine LZ-Recherche vom 28.08.2026 setzt die neuen Forderungen an die LüWoBau in Relation zu ihrer Kapazität: Nach Angaben der Geschäftsführung sind bis 2030 rund 200 zusätzliche Wohnungen vorgesehen. Zugleich stehen etwa 55 Millionen Euro Investitionsbedarf und rund 100 Millionen Euro für energetische Sanierung im Raum. Das ist keine Absage an weitergehende Ziele, zeigt aber, dass Ankauf, Neubau und Sanierung um Kapital und Personal konkurrieren.
Nach dem NDR-Bericht vom 20. August hat Vonovia 975 Lüneburger Wohnungen für rund 55 Millionen Euro an Tristan Capital Partners und die Porth-Gruppe verkauft. Über 700 davon liegen in Kaltenmoor. Der kommunale Zugriff auf diese Bestände ist eine politische Forderung im Wahlkampf; ein vollzogener städtischer Ankauf ist damit nicht belegt.